20. Januar 2014

Einbezug von Stakeholdern in der Organisationsmediation



von Wilfried Kerntke

Es ist ein Erfordernis von Mediation in Organisationen, auch diejenigen ins Verfahren einzubeziehen, die ja nach Ausgang der Sache etwas zu gewinnen oder zu verlieren haben: die sog. Stakeholder des Konflikts.  Mit den Mandanten für Organisationsmediation wird uns eine Möglichkeit der Mitgestaltung von Organisation und Unternehmen anvertraut. Unsere Maxime ist: Die konkreten Schritte des beraterischen Handelns sollen auf die Gestaltung größerer Einheiten abzielen und nicht allein auf die individuellen Belange der Protagonisten.

Gemeinsam mit unseren De-Jure- und De-Facto-AuftraggeberInnen können wir gestalten, wie die Konfliktparteien im Mediationsverfahren mit ihrer Umgebung verknüpft werden.  Es gibt vor allem zwei wichtigen Prozesslinien der Mediation. Die erste ist die Klärung mit den diversen AkteurInnen, in welcher Weise sie am Konfliktgeschehen teilhaben, und inwiefern sie im Mediationsverfahren berücksichtigt werden sollten. Die zweite Linie besteht in der angemessenen Rückbindung von Informationen, Lösungsoptionen und Lösungen an diese unterschiedlich Beteiligten. Parteien/ProtagonistInnen, Stakeholder, Zaungäste – sie alle nehmen Einfluss auf das Konfliktgeschehen. Eine Mediation, eingeschränkt auf zwei bereits im Vorfeld bestimmte Personen, ist wirklich ein Sonderfall.

Den Protagonisten des Konfliktes bietet der Perspektivwechsel zu den Stakeholdern immer wieder die Möglichkeit, Blockaden der Wahrnehmung aufzulösen und trägt zum Verständnis über ihren eigenen Konflikt bei. Sie erleben den Druck durch die Stakeholder ohnehin meist schon diffus seit Beginn des Konfliktgeschehens. Im unmittelbaren Kontakt mit den Stakeholdern wird der Druck in sinnvolle Bahnen gebracht. Die Stakeholder, die häufig auch einen besonderen Zugang zu Lösungen besitzen, können beim angemessen Einbezug ihre jeweils eigenen Lösungsressourcen einbringen; sie finden ihre eigenen Interessen anerkannt und müssen diese nicht mit Guerilla-Taktiken geltend machen. Die Protagonisten werden getragen von den konstruktiven Wünschen der Stakeholder. Die Stakeholder stellen Ansprüche und sie dürfen das. Die Mischung aus Getragen Werden und sozialem Druck schafft Anschluss an die Realität der Organisation. Hier zeigt sich die Organisation so klar und verständlich wie sonst selten, und sie öffnet dabei Handlungsspielräume.

Durch einen guten Einbezug der Stakeholder wird das Spannungsverhältnis der Stakeholder zu den Protagonisten des Konflikts besprechbar gemacht und verliert damit an Sprengkraft. Die Wahrscheinlichkeit, dass Stakeholder sich produktiv zum Konfliktbearbeitungsprozess verhalten, wird größer. Ressourcen, mit denen Stakeholder zu möglichen Lösungen beitragen können, werden zeitig erschlossen und vermehren schon im Mediationsgespräch die Lösungsressourcen der Protagonisten. Der Mediationsprozess wird stark beschleunigt – das Mediationsgespräch im engeren Sinn dauert nur etwa halb so lang wie andernfalls.

Unter den organisationalen Gesichtspunkten wird die Lösungssuche der ProtagonistInnen nicht allein an ihre individuellen Interessen ausgerichtet, sondern berücksichtigt die Interessen der gesamten Organisation und die Interessenten von deren Partnern. Strategien uns Policies des Unternehmens finden auf diese Weise Eingang in die Konfliktbehandlung. Das spannungsreiche Gefüge von unterschiedlichen Elementen der Organisation wird in größerer Breite reflektiert und an den Stellen, die nicht passen, graduell neu verhandelt.Der Einbezug von Stakeholdern in die Mediation ist eine mächtige Intervention. Sie nicht einzusetzen, enthielte den Betroffenen eine wichtige Ressource vor.

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